Ausstellungstermine
Oppauer Heimatgeschichte im Internet
Sucht der Internet-Benutzer nach der Geschichte seines Heimatortes, in Verbindung mit Daten und Fakten, nach Gebäuden und Anlagen, so kommt ein wenig Enttäuschung auf, wenn er nach der Oppauer Vergangenheit fragt. Dies möchten wir mit den folgenden Bildern und Beiträgen ändern und so nach und nach auch erweitern.
Diese Info-Seiten entführen Sie zu einem jahrzehntelangen Rundgang durch unsere Heimatorte Oppau, Edigheim und Pfingstweide. Dabei gehen die Blicke aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart, denn hier werden Traditionen nicht nur bewahrt, sondern auch mit Leben erfüllt.
Viele Menschen haben heute jedoch keine Vorstellungen mehr, wie und unter welchen einfachen Verhältnissen unsere Vorfahren arbeiten und leben mussten. Kriege, Zerstörungen, Überschwemmungen und Explosionskatastrophen mussten sie durchmachen und überleben.
Hier einige Auszüge aus "Fotografierte Zeitgeschichte" von Dr. Siegfried Fauck:
Oppaus Geschicke bestimmten immer der große Strom und die große Fabrik. Bis zum Jahr 886 waren Oppau und Edigheim noch rechtsrheinisch. Erst durch ein Hochwasser änderte der Fluß seinen Lauf, so daß seither beide Orte am linken Ufer liegen.
Die häufigen Überschwemmungen machten immer wieder die mühsame Arbeit der Bauern zunichte, am schlimmsten in den Jahren 1774, 1784 und 1824. Die größte Katastrophe ereignete sich um die Jahreswende 1882/83. Aufgrund der plötzlichen Schneeschmelze stieg der Rheinpegel um 6,60 Meter. Am 29. Dezember 1882 gegen Mitternacht hielt der Uferdamm nicht mehr stand und brach 300 Meter unterhalb der Fähre nach Sandhofen.
Fast ganz Oppau und Edigheim wurden überflutet.
Wie Inseln ragten einzelne Häuser empor, auf deren Dächern Mensch und Tier Zuflucht suchten. In den nächsten Tagen ergossen sich die Fluten bis Friesenheim, Oggersheim und zum Hemshof. Am 3. Januar 1883 ging das Hochwasser allmählich zurück
(hier eine Aufnahme von diesem Tag: Blick von der heutigen Rosental-Straße über das Sandloch - heute: Bürgerhaus - im Hintergrund die beiden Kirchen) .
Die schreckliche Bilanz der Katastrophe. 32 Menschen ertranken in einem aus Sandhofen kommenden Boot. 4500 Einwohner mussten ihre Häuser verlassen, nach amtlichen Schätzungen betrug der Sachschaden 1,25 Millionen Mark.
Eine schwere Einbuße hatte Oppau nach der Rheinregulierung 1862 zu ertragen. Ging doch das Gelände zwischen Alt- und Neurhein - die Friesenheimer Insel - gemäß Staatsvertrag von Bayern an Baden über. Denn die Oppauer Bauern besaßen dort 1418 Morgen guten Bodens, für den sie nun selbstverständlich einen finanziellen Ausgleich forderten.
Die Prozesse mit der Stadt Mannheim über die Höhe der Entschädigungssummen fanden 1907 ihren erfolgreichen Abschluß - nach 45 Jahren!
Kein anderer Stadtteil hat sich so rasch und gründlich gewandelt wie Oppau. Wo man noch vor wenigen Jahren durch Felder zur Rheinfähre gelangen konnte, veränderten die Industrieanlagen der BASF die Landschaft völlig.

Die "Anilin" gehört heute ebenso zum Ortsbild wie einst die Verbundenheit zum Rhein. Auf Oppauer Gelände nahm am 9. September 1913 die erste Ammoniaksynthese Anlage der Welt nach dem Haber-Bosch Verfahren ihre Arbeit auf.

Aufgrund der jetzt sehr reichlich fließenden Steuereinnahmen konnte die Gemeinde 1917 ein neues Rathaus bauen, nachdem das alte Gebäude von 1731 schon lange nicht mehr den Bedürfnissen des "größten Dorfes Deutschlands" mit seinen 6000 Einwohnern entsprach. Prachtstück des Rathauses ist der große Sitzungssaal mit seiner künstlerisch gestalteten Holzdecke.
Doch die "Anilin" brachte nicht nur Arbeit und Wohlstand, sondern auch tiefes Leid. In einem Silo, in dem damals Düngemittel lagerte, kam es am 21. September 1921, morgens um 7:30 Uhr zu einer scheren Explosion. Diese kostete 561 Menschen das Leben, und mehr als 2000 wurden verletzt. Sie zerstörte fast alle Gebäude in Oppau und richtete auch in den übrigen Ludwigshafener Stadtteilen große Schäden an. Von 1000 Wohnungen in Oppau wurden 900 zerstört, wodurch 7500 Menschen obdachlos wurden. An der Stelle des Lagersilos entstand ein Krater von 125 Meter Länge, 90 Meter Breite und 19 Meter Tiefe. Der Explosionsknall soll bis in das 80 km entfernte Frankfurt zu hören gewesen sein.

1927 wurde Dr. Rudolf Zorn erster rechtskundiger Bürgermeister, der sich bis zu seiner Absetzung 1933 große Verdienste erworben hat. In seine Amtszeit fiel am 1. April 1929 auch die Erhebung Oppaus zur Stadt. Sie konnte sich ihrer Selbstständigkeit nur 9 Jahre erfreuen. Auf Anordnung der Behörden des 3. Reiches wurde Oppau am 1. April 1938 in Ludwigshafen eingemeindet.
Von den wenigen Vorrechten, die man erreichte, sollte sich am wichtigsten der Passus über den Weiterbestand des Heimatmuseums erweisen. Es war entstanden aus der Initiative des Lehrers Karl Otto Braun, der seit den zwanziger Jahren systematisch Funde aus der Vor- und Frühgeschichte sammelte. Es folgten bäuerliche Arbeits- und Küchengeräte, alte Trachten und Schmuckgegenstände, schließlich Dokumente, Landkarten und Fotos. Jahrelang unterhielt er im Keller der Mozartschule gewissermaßen ein privates Museum. Dessen eigentliche Geburtsstunde schlug am 30. August 1930 mit der Einrichtung von acht Ausstellungsräumen in der Gaststätte "Zum Karpfen", Kirchenstraße 13.
Nach Verlagerung und starker Dezimierung der Bestände im Dritten Reich und einer vorübergehenden Unterbringung in der Pestalozzischule erhielt das nach seinem verdienten Gründer benannte "Karl-Otto-Braun-Museum" am 14. April 1965 im Rathaus großzügig hergerichtete Ausstellungssäle.
Die Nachbargemeinde Edigheim bewahrte sich viel länger ihren ländlichen Charakter. Nach der Verlagerung des Rheins 886 war sie jahrhunderte lang sogar eine Insel: Wer nach Frankenthal oder Oggersheim wollte, war auf die Fähre angewiesen. Deshalb gab es viele Fischer, vor allem der Salm verhieß reiche Beute. Es bestand sogar eine Fischerzunft unter einem "Rheingrafen", zuständig für die Einhaltung der Rheinordnungen. Jährlich tagte das Fischergericht, die Rheinruge, das die Verpachtungen vornahm. Aber trotz dieser Institutionen und Gesetze fischten viele Edigheimer "wild" - die nackte Not trieb sie oft dazu. Denn die Bauern hatten auch bei Missernten hohe Abgaben an die weltlichen und geistlichen Ortsherren zu leisten.
Bis um die Jahrhundertwende hatte der Bettelvers seine Berechtigung: "Ich bin vun Edigum, des Korn is uns versoffe, die Grumbeere sin uns verfault, gebt mer was zu esse." An die Fischerzunft erinnern jetzt Bezeichnungen wie Salmen-, Fischer-, Reusen-, Rheingrafen-, Rheinrugen- und Bannwasserstraße.
Einen wirtschaftlichen Aufschwung brachte der Frankenthaler Kanal, den Kurfürst Carl Theodor von einem Hafen in Frankenthal bis zur Rheinmündung 1773 bis 1777 anlegen ließ. Wenn er auch schon lange zugeschüttet ist, ein Spaziergang entlang dem Kanaldamm hat eine eigene Atmosphäre. Die alten Bäume stehen noch, die Angler versuchen am Rhein ihr Glück, die beliebte "Wirtschaft zur Rheinlust" lädt allerdings nicht mehr zur Einkehr ein.
Die Verhandlungen mit Oppau wegen der Eingemeindung währten von 1913 bis zum 24. November 1927: Der letzte Streitpunkt war, ob der Ortsname in Zukunft "Oppau-Edigheim" oder nur "Oppau" lauten sollte. Das hohe Ministerium entschied dann für "Oppau".
Aber Edigheim setzte in dem am 1. April 1928 in Kraft tretenden Vertrag die meisten seiner Wünsche durch: Nutznießung der Allmende für die über 25 Jahre alten Bürger, Beibehaltung von Ortsverwaltung und Gemeindeeinehmerei, ein Standesamt wurde sogar neu geschaffen. Ferner Übernahme aller Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung sowie Zusicherung für den Bau von Schule und Kanalisation.
Es wird viel geschrieben, doch Bilder sagen oft mehr aus als viele Worte, denn sie sind einprägsamer und ausdrucksvoller. Daher lassen sie die Bilder einmal "auf sich einwirken".
Heinz Mohr
1. Vorsitzender, ‘Verein zur Förderung des K.-O.-Braun-Museums e.V.’ Ludwigshafen-Oppau
Oppau im November 2006
