Ausstellungstermine
Oppau und die Reformation
Wenn evangelische Christen den 31. Oktober als Reformationstag feiern, müssen wir uns als Menschen des 21. Jahrhunderts verdeutlichen, daß die Gläubigen des Herbstes 1517 überhaupt nicht ahnen konnte, was Luther angestoßen hatte und welche Folgen seine Thesen haben würden.
Heidelberg und Wittenberg gehörten zur selben Ordensprovinz der Augustiner-Eremiten, und so kam es, daß Luther im folgenden Jahr auf dieser Tagung erschien. Die jungen Heidelberger Theologen allerdings nahmen begeistert auf, was sie von ihm hörten. Die Universität, die damals noch von Dominikanern beherrscht wurde, reagierte ablehnend.
Kurfürst Ludwig V. verhielt sich eher neutral, auch wenn er sich auf dem Wormser Reichstag für die Beachtung des freien Geleits für Luther einsetzte. Durch die Tatsache, dass er sich nicht festlegen wollte, konnte sich das reformatorische Gedankengut im Herrschaftsbereich der Kurpfalz so gut ausbreiten, daß der päpstliche Nuntius im Jahr 1535 von der lutherischsten Gegend in ganz Deutschland schrieb.
Erst mit Kurfürst Friedrich II. änderte sich etwas. Seine Gemahlin Dorothea von Dänemark wandte sich der Reformation zu und begann ihren Ehemann zu beeinflussen. 1546 trat er zum Luthertum über, das durch seinen Nachfolger Ottheinrich 1556 im ganzen Land offiziell eingeführt wurde. Nach dessen frühem Tod erlebte die Pfalz 1560 einen weiteren Konfessionswechsel, da Kurfürst Friedrich III. den Calvinismus bevorzugte.
Während der größte Teil der Kurpfalz noch zwei weitere Wechsel mitmachen mußte, nämlich für einige Zeit zurück zum Luthertum, blieb dies Oppau ebenso wie Oggersheim und Friesenheim erspart. Denn Pfalzgraf Johann Casimir, unter dessen Herrschaft die drei heutigen Stadtteile 1576/78 kamen, machte die Rückkehr seines Bruders Ludwig Vl. zum Luthertum nicht mit. So konnte der Calvinismus hier in Oppau bis zum Dreißigjährigen Krieg die herrschende Lehre bleiben.
Vor Ort war nun eine merkwürdige Situation entstanden. Da die Zehnten an das Wormser Domkapitel abgeführt wurden, mußte dieses auch die Baulast für das reformierte Pfarrhaus und die reformierte Kirche tragen und den reformierten Pfarrer bezahlen. Der erste ist aus dem Jahr 1580 bezeugt und hieß Mattem, es folgten 1592 Jakob Voltz und der 1570 in Lambsheim geborene Johann Schettner.
Die Reformation hatte wohl etwas angestoßen. Denn Protestantismus wie auch die Kräfte, die eine Erneuerung in der alten Kirche wollten, versuchten die Menschen bereits in jungen Jahren zu erreichen und sie zu lehren. Als Folge entstanden die ersten Schulen. Dabei ist die Oppauer am frühesten bezeugt, nämlich bereits 1572. Es folgte die von Oggersheim rund zwei Jahrzehnte später.
