Oppau wird französisch

Bild aus dem Startseitenbereich

Die heutige Pfalz und damit auch Oppau waren seit Jahrhunderten Grenzland zu Frankreich und damit immer wieder Ziel von Auseinandersetzungen. Vor allem im orleans'schen Erbfolgekrieg, in dem der französische König Ludwig XIV. das pfälzische Erbe seiner Schwägerin Lieselotte von der Pfalz einforderte, wurden weite Landstriche verwüstet.

So zogen 1792 die Franzosen, von Weißenburg kommend, über Landau, Speyer und Worms, also durch unsere Gegend, nach Mainz. Dort hatte sich nach französischem Vorbild ein politischer Club, der Jakobinerclub, gegründet, der die neuen Ideen von der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einforderte und Freiheitsbäume aufstellte. Er hatte etwa 500 Mitglieder.

Auch in Worms (ca. 60), Landau (weniger als 200) und Bergzabern (70?) entstanden solche politische Aktivitäten. Zwischen Frankenthal und Speyer, also der Raum der heutigen Stadt Ludwigshafen, blieb es relativ ruhig. Auch verhielt sich die Besatzungsmacht anfangs aus Rücksicht auf die neutrale Kurpfalz, zu der Oppau gehörte, rücksichtsvoll. Grobe Ausschreitungen der einquartierten Soldaten gegen das Privateigentum kamen noch selten vor.

Als schließlich die Franzosen Mainz räumen mußten, versuchten sie hier bei uns neue Verteidigungsstellungen aufzubauen. Es kam hier zu Erschwernissen in Form von Befestigungs- und Schanzarbeiten bei Friesenheim und Hemshof. Dabei wurde eine große Anzahl von Fronarbeitern ausgehoben. Der Gegner, die Kaiserlichen, standen auf der anderen Rheinseite bei Sandhofen.

Am 27. März 1792 kam es bei Oppau zu einem Zwischenfall, von dem uns K. O. Braun berichtet. Die bei Sandhofen stehenden kaiserlichen Truppen schossen mit Kanonen auf die am Rhein bei Oppau stehende Schiffsmühle. Eine Kugel hatte den Oppauer Bürger Peter Schmitt nur knapp verfehlt, ihm aber den Sack, den er gerade in der Mühle entleeren wollte, vom Rücken gerissen. 

Arno Erhard