Oppau und der Rhein

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Das Leben in Oppau war schon immer vom Rhein geprägt. Über all die Jahrhunderte von An­fang an griff der Rhein in die Geschicke des Ortes und der Bewohner ein. Bereits ins Jahr­hundert der ersten Erwähnung fällt eine grundlegende Veränderung. 

Bei einem Hochwasser des Jahres 888 verlagerte der Rhein seinen Lauf, so daß Oppau und Edigheim seither auf der linken Rheinseite liegen. Zuvor floss er in einer großen Schleife aus Richtung Sandhofen kommend an Friesenheim vorbei (Langgärten, Begütenweg, Bastenhorst), bog nach Nord­westen und Norden um, an Oggersheim vorbei, wo wir ihn heute noch als Altrhein bei der Bocksbrücke finden.

Neu entstehendes (z. B. durch Verlandung des Altrheins) oder durch den Fluss abgetragenes Land verursachte oftmals lang anhaltende Auseinandersetzungen. In ande­ren Fällen ging es um die Herrschaftsrechte. Flüsse und ihre Nutzung, dazu gehörte auch der Uferbereich, galten zuerst einmal als Besitz des Königs, der die einzelnen Rechte weiter ver­leihen konnte.

So bestand die erste Amtshandlung des neuen wittelsbachischen Pfalzgrafen im Jahr 1214 darin, den Streit der Oppauer mit dem Kloster Schönau um Fischereirechte zu schlichten. Das scheint keine einfache und schnell zu treffende Entscheidung gewesen zu sein. Denn der Pfalzgraf übergab einstweilen dem Kloster als Entschädigung seine Fischerei in Oppau so lange, bis der Verlust ausgeglichen sei.

Die Dorfbewohner mussten sich ihrer Rechte ziemlich sicher gewesen sein, denn im Vorfeld hatte bereits 1209 ein päpstlicher Schiedsspruch Oppauer Schwarzfischer mit dem Ausschluß aus der Kirche gedroht, wenn sie sich, „vom Teufel getrieben", weitere Eingriffe in die klösterlichen Rechte erlauben würden.

Ein anderes, schwerwiegenderes Problem war das Hochwasser. Deichbaumaßnahmen konn­ten nur in Gemeinschaftsarbeit erledigt werden. Aber auch hier ergaben sich immer wieder Streitigkeiten der Gemeinde mit den geistlichen Herren. Wenn wir von Wasserbauten in der Friesenheimer Gemarkung im Jahr 1269 lesen, müssen naturgemäß ähnliche Anlagen auch in Oppau bestanden haben, sonst ergäbe die Maßnahme keinen Sinn. 1432-38 stritten sich die Klöster Frankenthal und Schönau und die Gemeinde Oppau um die Übernahme von Kosten zum Deichbau. Die ersten Deichmeister, Hans Nagel und Niklas Kob, kennen wir aus dem Jahr 1491.

Dennoch: Immer wieder deckte der ausgelaufene Rhein in Oppau alle Früchte zu, wie es K. O. Braun formuliert. Er zerstörte auch mehrmals hintereinander die Kirche. Noch im Jahr 1770 brachte eine totale Überschwemmung bittere Armut und Teuerung. „Es konnte nichts erhoben werden", klagte der Gemeinderechner; „die Rückstände mehren sich". (Braun)

Das Vergnügen über einen zugefrorenen Rhein konnte sehr schnell ins Gegenteil umschlagen, rasch einsetzendes Tauwetter brachte im Jahr 1784 eine der entsetzlichsten Hochfluten. Ein weiteres Jahrhundert später, 1882, kam es zu dem bekannten Unglück mit Dammbruch, groß­flächiger Überschwemmung und dem Untergang des Rettungsschiffes, das viele Opfer for­derte.

 

Arno Ehrhard