Vom Bauerndorf zur Industriegemeinde

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Wenn wir 2008 unser Ortsjubiläum feiern, liegt dies daran, dass im Jahr 808 Oppau zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde. Auch wenn unser Heimatort wohl um einiges älter ist, gilt die erste schriftliche Fixierung des Namens als der Geburtstag.

Das Ehepaar Benno und Gisa machte dem Kloster Lorsch eine Schenkung. Das war damals ein üblicher Brauch. Damit die Wohltäter nicht vergessen wurden und man an bestimmten Tagen für sie beten konnte, schrieben sich die Mönche die Namen in ihren Kirchenfestkalender. Meist standen auch Art und Wert der Geschenke dabei, bei Grundbesitz noch die Lage.

Daher wissen wir, dass in Oppau - die damalige Schreibweise lautete Obfowa - ein Hof (Mansus) gegeben wurde, der als Nachbarn auf der einen Seite die St. Martinskirche, auf der anderen den König hatte. Oppau gehörte also mindestens teilweise noch dem König. Das war in jener Zeit Karl der Große, der nur wenige Jahre zuvor am 25. Dezember des Jahres 800 in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt worden war, wohlgemerkt des Fränkischen Reiches. Das Deutsche Reich entstand erst später als Folge der Teilung nach dem Tod Karls.

Aber auch die Tatsache der Erwähnung des Kirchenpatrons St. Martin ist interessant. War er doch ein Lieblingsheiliger der Herrscherfamilie. Die Schenkung der Eheleute umfasste noch mehr, nämlich Ackerland, Wiesen und einen Weingarten, dazu Vieh, darunter extra erwähnt eine Herde von Stuten, sowie 10 hörige Bauern, die für Bearbeitung des Landes notwendig waren und deshalb gleich mitgeschenkt wurden.

Man kann an dieser Aufzählung erkennen, dass Oppau auf jeden Fall bereits ein seit längerer Zeit angelegtes Dorf sein musste. Und wenn wir genauer schauen, wieviel Acker geschenkt wurde, können wir uns bei der Angabe „40 Tagwerk" eine Vorstellung von der Größe machen.

Um 808 gab es noch nicht viele Klöster. Das nächstgelegene war Kloster Lorsch, 764, nur wenige Jahrzehnte zuvor, gegründet. Die meisten Orte in der näheren und auch weiteren Umgebung sind in den Lorscher Aufzeichnungen erstmals erwähnt. Auch Kloster Prüm in der Eifel trat in der Umgebung als Grundherr auf. Abt Regino bezeichnet Altrip als seinen Geburtsort.

Eine kleine, aber vielleicht ganz interessante Einzelheit soll nicht unerwähnt bleiben. Die Formulierung am Schluß der Urkunde, dass Benno und Gisa ihr Zeichen unter den Text gesetzt haben, macht etwas deutlich: weder Schenker noch die zahlreichen Zeugen konnten schreiben.

Diese heute als selbstverständlich angesehene Fähigkeit war noch nicht stark ausgeprägt. Selbst Kaiser Karl der Große setzte lediglich sein „Häkchen" unter das Namenszeichen, wenn er eine Urkunde „unterschrieb". Zwar versuchte er lesen und schreiben zu lernen, er nahm auch sein Schreibtäfelchen mit ins Bett und legte es unter das Kopfkissen, doch hatte er mit seinen verkehrten und zu spät begonnenen Bemühungen wenig Erfolg, wie sein Biograph Einhard schreibt.

 

Arno Ehrhard