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Das stadteigene Karl-Otto-Braun-Museum - vom "Förderverein" betreut und verwaltet - bietet einen Einblick in die schicksalhafte und wechselvolle Geschichte unseres Ortes.
Besuchen Sie uns im Oppauer Rathaus in der Edigheimerstrasse 26
Öffnungszeiten: Sonntags von 10-13 Uhr und von 14-17 Uhr
Die Finanzierung des 1. Weltkriegs hatte das Deutsche Reich an den Rande des finanziellen Ruins gebracht. Um die hohen Kosten des Krieges aufbringen zu können, hatte die Reichsregierung das Wähnungsgesetzt geändert und die Deckungsregel abgeschafft. Damit war es dem Finanzminister und der Reichsbank möglich, gegen eine Quittung (Wechsel) frischgedruckte Banknoten an die Regierung auszugeben, ohne dass die nötige Deckung in Form von Silber- und Goldreserven vorhanden waren.
Stand ein Wechsel zur Einlösung an, so wurde dieser einfach durch einen neuen mit höherer Summe ausgetauscht. Mit diesem Vorgehen wurden die Reichsschulden von 5,1 Mrd. Mark zu Kriegsbeginn auf 156,4 Mrd. Mark getrieben. Allein die Zinsen und Tilgung der Staatsschulden hätten im Jahr 1919 126% der ordentlichen Staatseinnahmen verschlungen. Deutschland war nach dem 1. Weltkrieg sozusagen zahlungsunfähig.
Den Siegermächten erging es allerdings nicht viel besser. Auch sie hatten ihre Kriegskosten mit Wechsel finanziert. Doch waren sie in einem Punkt in einer besseren Lage als das Deutsche Reich – sie hatten den Krieg gewonnen. So verlangten sie unter anderem in den Versailler-Verträgen Wiedergutmachung für Kriegsschäden – Reparationen genannt.
In dieser schier ausweglosen Situation verfolgte die deutsche Regierung weiterhin die Finanzierung des Staates durch Wechsel. Die junge Republik zahlt nunmehr ihre Staatsausgaben und Reparationen mit ungedeckten Banknoten. Damit wurde das Vertrauen in die Mark weiter erschüttert und ihr Wert begann merklich und immer schneller zu schwinden.
Es kam zur Inflation. Erst war diese schleichend und langsam. Doch Anfang 1923 kam es zur galoppartigen Entwertung der Mark und es gab kein halten mehr. Die Preise für Waren stiegen ins Unermessliche.
Um die Ansprüche auf Wiedergutmachung der Kriegsschulden gegenüber dem Reich abzusichern, besetzten Frankreich und Belgien im Januar 1923 das Ruhrgebiet. Auch die Pfalz als industrieller Ballungsraum wurde besetzt und vom Reich abgeschnitten. Reparationszahlungen flossen nunmehr nur noch in Materialen wie Kohle, Stahl und Industriegütern. Dieser zusätzliche Entzug von Gegenwerten zur Währung verstärkte noch mal die Entwertung der Mark.
Die Besetzung des Ruhrgebiets und der Pfalz verschlimmerte die Situation der dortigen Bevölkerung nochmals im Vergleich zur chaotischen Lage im restlichen Deutschland. Das Volk begann in seiner Not die Mittel des passiven Widerstandes und des zivilen Ungehorsams speziell gegen die Besatzungstruppen aber auch gegen staatliche Behörden anzuwenden. Bauern und Lebensmittelhändler weigerten sich, ihre Waren gegen Banknoten abzugeben. In den Städten kam es zu Krawallen und Unruhen, die oftmals blutigen Ausgang hatten. Allein im Ruhrgebiet kamen 132 Menschen bei Auseinandersetzungen mit den Besatzungstruppen ums Leben.
Im Sommer 1923 erreichte die Inflation in Deutschland ein solches Ausmaß, dass die Reichsbank nicht mehr genügend Banknoten in Umlauf bringen konnte, um den Bedarf an unvorstellbaren Nennwerten zu decken. Fast alle Städte und Landkreise im Reich sahen sich nun gezwungen, eigene Notgelder in Umlauf zu bringen. Hierdurch wurde die Geldmenge ohne Gegenwert nochmals erhöht. Die Menschen versuchten schnellstmöglich Banknoten in Sachgüter, bevorzugt Lebensmittel umzutauschen, bevor der eben erhaltene druckfrische milliardenschwere Geldschein keinen Wert mehr hatte.
Den Höhepunkt erreichte die Inflation im Spätjahr 1923. Die unvorstellbaren Mengen an Bargeld konnten nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Firmen und Geschäftleuten waren dadurch nicht mehr in der Lage, die Löhne und Gehälter an ihre Mitarbeiter auszuzahlen. Um dieser Situation Abhilfe zu schaffen, erteilte die Reichregierung vielen Firmen, Geschäftleuten und sogar einzelnen Privatpersonen die Genehmigung eigene Notgelder auszugeben.
Auch die Badische Anilin- & Soda-Fabrik (BASF) Ludwigshafen hatte in diesen schweren Zeiten mit den Folgen der Geldentwertung zu kämpfen. Am 25. Oktober 1923 wurde eine eigene stabile Währung – der Anilin-Dollar – geschaffen. Er basierte auf dem Wechselkurs des US-Dollars zur Goldmark.
Für die BASF-Belegschaft hatte mit der Einführung dieser harten Währung die Inflation quasi ein früheres Ende.
An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass speziell für unsere Region die Zeit von 1918 bis 1924 besonders schwer war. Zum verlorenen Krieg und dessen Folgen, der Besetzung durch französische Truppen und den verheerenden Folgen der Hyperinflation kamen noch die Auswirkungen der schweren Explosionskatastrophe am 21. September 1921 in der BASF hinzu. Näheres dazu finden sie hier.
Durch die oben beschriebenen Maßnahmen wurde der Werteverfall der Mark mehr und mehr beschleunigt. Die Situation schien ausweglos und die Inflation schier nicht zu stoppen. Unruhen und Putschversuche waren an der Tagesordnung. Die Weimarer Republik stand am Rande des Zusammenbruchs.
Nur der Weg einer Währungsreform konnte den chaotischen Verhältnissen Einhalt gebieten. Diese wurde von der Reichsregierung stets hinausgezögert, doch im Herbst 1923 war sie unausweichlich. So wurde im Oktober 1923 eine neue, zusätzliche Notenbank – die Deutsche Rentenbank – gegründet. Die neugeschaffene Währung hieß Rentenmark.
Um dem neuen Geld, welches parallel zur alten Mark in Umlauf kam, die nötige materielle Deckung zu verschaffen, wurde der Rentenbank eine Grundschuld der deutschen Industrie mit haftendem Kapital sowie Hypotheken auf Agrarland verliehen. Hierdurch wurde ein stabiles Zahlungsmittel geschaffen welches wieder Vertrauen und Wertsicherheit mit sich brachte. Mit der Ausgabe der Rentenmarkscheine am 15. November 1923 hatte die Inflation ein Ende gefunden.
Doch die Einführung einer neuen Währung reichte freilich nicht aus, um das Zahlungssystem zu stabilisieren. Die Reichsbank musste durch restriktive Geldpolitik und die Regierung durch Sanierung des Finanzhaushaltes ihren Teil beitragen. So wurde die Steuerlast im Winter 1923/24 beträchtlich erhöht. Im August 1924 wurde die Rentenmark als Übergangswährung durch die Reichsmark wieder abgelöst. Sie musste wie die alte Mark durch Goldreserven und Devisen gedeckt sein.