Karl-Otto-Braun Museum Header

Das stadteigene Karl-Otto-Braun-Museum - vom "Förderverein" betreut und verwaltet - bietet einen Einblick in die schicksalhafte und wechselvolle Geschichte unseres Ortes. 

Die Bandbreite der Exponate reicht von Funden aus der Steinzeit und der Frühgeschichte, von Ausgrabungen der Römer bis zum Mittelalter.

aus verschiedenen Kontinenten und in allen Größen

Besuchen Sie uns im Oppauer Rathaus in der Edigheimerstrasse 26

Öffnungszeiten: Sonntags von 10-13 Uhr und von 14-17 Uhr

Reichsgründung, Währungsreform und Einführung der Reichsmark

Mit dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) und der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser im Spiegelsaal von Schloss Versaille wurde die Einigung der deutschen Staaten ohne Österreich zum einheitlichen Nationalstaat beendet. Diesem Werke, des nunmehr Reichskanzler Otto von Bismarck, gingen fast zehn Jahre diplomatisches aber auch militärisches Kalkül voraus. So darf nicht vergessen werden, dass der Deutsch-Dänische-Krieg (1864, Einbindung von Schleswig und Holstein in den Deutschen Bund) und der sogenannte Deutsche Krieg zwischen Preußen und Österreich (1866, Ausschluss Österreichs aus dem Deutschen Bund, Gründung des Norddeutschen Bundes) ebenso zum Weg der Reichgründung gehören, wie der oben genannte Krieg von 1870/71.

Neben vielen anderen Schwierigkeiten, die sich mit der deutschen Reichsgründung einstellten, sollen hier nun die Probleme der Währungssysteme im Reichsgebiet betrachtet werden.

Mit der Reichsgründung hatte die deutsche Vielstaaterei ein Ende gefunden. Doch auf die 25 Bundesstaaten teilten sich sechs unterschiedliche Währungssysteme zuzüglich des französischen Franc in Elsass-Lothringen. Insgesamt waren 119 Münzen und 117 Banknoten von 33 Notenbanken im Reichsgebiet im Umlauf. Um diesem Geldchaos Herr werden zu können, war es wichtig, eine Währungsreform durchzuführen. Es wurde die neue dezimale Währung eine Mark zu je 100 Pfennig im Jahre 1871 geschaffen. Doch dies führte zu erneuten Problemen: die Umrechnung der einzelnen Währungen in die neue Mark.

Vereinfacht stellte sich dies wie folgt dar. Im norddeutschen Raum herrschte der Taler als Zahlungsmittel. Die Rechnung hier war relativ einfach:

1 Taler = 30 Groschen = 300 Pfennig = 3 Mark, dies entspricht 16,7g Feinsilber

Doch in Süddeutschland war der Gulden verbreitet und die Umrechnung war hier keineswegs so rund wie beim Taler: 1 Gulden = 60 Kreuzer = 240 Pfennig = 2,40 Mark, dies entspricht 9,5g Feinsilber

Um die Umrechnung zu erleichtern wurden amtliche Umrechnungs- und Rundungstabellen eingeführt. Im Jahre 1875 wurde die deutsche Reichbank gegründet. Ihr oblag die Regelung des Geldumlaufs. Allerdings hatte sie nicht das Monopol auf die Notenausgabe. Es gab bis 1905 noch vier Privatnotenbanken mit Notenausgaberecht. Die Einführung der Mark als neue Währung wurde nicht einheitlich durchgesetzt.

So kamen die ersten Mark-Zahlungsmittel ab 1872 in Umlauf. Der norddeutsche Raum, sowie Hessen und Baden gingen am 1. Januar 1875 zur Mark-Rechnung über. Württemberg folgte am 1. Juli 1875 sowie Bayern am 1 Januar 1876. In dieser Zeit war ein ständiges Umrechnen zwischen Taler, Gulden und Mark das tägliche Geschäft. Dieser Umstand stärkte natürlich nicht die Akzeptanz der Mark in der Bevölkerung. Viele Menschen hatten Angst vor drohenden Verlusten beim Geldumtausch oder vor Überteuerung durch großzügiges Aufrunden beim Umrechnen der Preise.

Die hier folgenden Artikel aus der damaligen Zeit sollen einen Eindruck der Befürchtungen und Schwierigkeiten der Menschen vermitteln.

  • „Die Befürchtung, daß der Übergang zur Markwährung eine Erhöhung der Preise zur Folge haben würde, hat sich glücklicherweise nicht verwirklicht.“ Rheinischer Kurier, 7. Januar 1875
  •  „Gegen Ungebührlichkeit hat übrigen das Publikum auch seine Mittel, namentlich die Enthaltung. Wird für den Schoppen Bier, der bisher 5 Kreuzer kostete, jetzt zunächst 15 Pfennige (5¼ Kreuzer) gefordert, so wird für den Augenblick nichts zu machen sein; wo aber anstatt bisheriger 4½ Kreuzer, welche doch = 13 Pfennige sind, auch die anscheinend runde Summe von 15 Pfennige angesetzt wird, da bleibt eben der Trinker fern.“ Schwäbischer Merkur, 8. Juli 1875
  •  „„Sie, Herr Lehrer, können Sie mir sagen, wie man 4 Kreuzer in Reichsmünzen umwandelt?“ – „Jawohl, gib obacht! Nimm die 4 Kreuzer, zieh’ die Quatratwurzel daraus, zähle 830 dazu und dividiere mit 416 darein; was raus kommt nimmst Du doppelt und schaust auf die Münzumrechnungstabelle, wie viel 4 Kreuzer in neuer Münzwährung ist.““ Fliegende Blätter 1876, Nr. 1621
  •  „Nicht kann ich länger gleich dem Thaler weilen, umsonst ist auch der äußerste Versuch, ich lasse nimmer mich in Marken teilen, und thät ich’s je, nicht ging es ohne Bruch“ Der letzte Gulden, Fliegende Blätter 1876, Nr. 1595
  •  „Ich glaube, es ist kaum nötig, es zu begründen, daß es in dem Interesse des Verkehrs, im Interesse der ganzen Bevölkerung des Reichsgebiets liegt, aus dem gegenwärtigen Zustand des Hangens und Bangens zwischen zwei Systemen so rasch, wie er irgend ausführbar ist, herauszukommen.“ Rudolf Delbrück, Präsident des Reichskanzleramtes, März 1873 im Reichstag